Muschelkalk

Nach dem Hin und Her des Meeres im Oberen Buntsandstein und dem Einzug weitgehend mariner Verhältnisse im Oberröt (Myophorienschichten) erfolgte mit Beginn des Muschelkalkes dann eine endgültige Überflutung des Germanischen Beckens. Die Sedimentation wechselte von überwiegend feinklastischen Ablagerungen mit Gipsen und einzelnen Karbonatbänken im Röt zu durchgehenden Karbonatabfolgen im Muschelkalk, unterbrochen von einem Salinar (Salzgesteins-Zyklus) mit spezieller Gesteinsabfolge im Mittleren Muschelkalk. Unser Gebiet nahm paläogeographisch eine Übergangsstellung zwischen dem höher gelegenen (heute erodierten) Beckenrand im Osten und der Thüringischen Senke im Westen ein, wobei der westliche Teil des Gebietes schon in den tiefsten Teil der Senke reichte. Aus der unterschiedlichen räumlichen Lage ergeben sich mehr oder weniger deutliche Unterschiede in der faziellen Entwicklung einzelner Regionen des Gesamtgebietes (siehe Bilder 1-3, unten).

Paläogeographie und Faziesentwicklung des mitteldeutschen Muschelkalkes

1-3: Faziesentwicklung im Muschelkalk Mitteldeutschlands. 1: Unterer Muschelkalk, 2: Mittlerer Muschelkalk, 3: Oberen Muschelkalk (nach Gaupp, Thomas & Lützner 1998, umgezeichnet und verändert).

Im Unteren Muschelkalk erstreckte sich die Thüringische Senke mit maximaler Mächtigkeit des Muschelkalkes vom Zentrum des (topographischen!) Thüringer Beckens nach Norden. Die nordwestlichen Muschelkalkvorkommen unseres Gebietes (Freyburg-Querfurter Mulde) liegen in diesem Beckenbereich (mu bis um 120 m mächtig), während der südöstliche Teil (Saale-Ilm-Tal zwischen Bad Kösen und Bad Sulza) Beckenrand-näher positioniert sind (mu um 100-110 m mächtig).

Am (heute erodierten) Beckenrand vermutet man der Küste vorgelagerte Flachwasser-Karbonatrampen - das Thema wird uns auf der nächsten Seite noch beschäftigen.Im Mittleren Muschelkalk kam es im Beckeninnern zur Ausfällung von Steinsalz. Das Salz wurde in oberflächennahen Profilen abgelaugt und findet sich heute nur im Thüringer Becken, unter dem Schutz mächtiger Sedimente, in größerer Verbreitung (blaue Fläche in Bild 2).

Muschelkalk im Kurzportrait

Der Muschelkalk zeigt zwei marine Großzyklen mit fossilreichen Sedimenten: Unterer Muschelkalk oder Wellenkalk (mu) und Oberer Muschelkalk (Trochitenkalk und Ceratitenschichten - mo). Dazwischen liegen die Dolomite, Dolomitmergel und Anhydrite (Gipse) der Salinarfolge des Mittleren Muschelkalkes (mm), zu denen sich in tieferen Beckenbereichen noch das Steinsalz gesellt (Bild 4, links). Die moderne der Aufbau von Muschelkalklithostratigraphische Gliederung nach dem Formationsprinzip folgt weiter unten (Bild 5). 

Die detailliertere lithostratigraphische Gliederung erfolgt nach Sedimentaionszyklen und charakteristischen Leitbänken. Im U. Muschelkalk, beginnend mit der Gelben Grenzbank, enden drei große Zyklen mit mächtigen arenitischen bis pseudo-oolithischen Bänken: Unterer Wellenkalk mit den Oolithbänken (mu1 mit mu1oo), Mittlerer Wellenkalk mit den Terebratelbänken (mu2 mit mu2T) und Oberer Wellenkalk mit den Schaumkalkbänken (mu3 mit mu3X). Dazwischen (im M. und U. Wellenkalk) spielen konglomeratische Horizonte noch eine wichtige Rolle als Leitbänke. Die Fossilführung ist vor allem auf den Bereich der Leitbänke konzentriert.

Über dem Schaumkalk folgen die basalen Dolomite des Mittleren Muschelkalkes (Orbicularisschichten). Sie sind in den Schaumkalkbrüchen oft mit aufgeschlossen. Der folgende M. Muschelkalk mit Unterer Wechsellagerung, Salinar und Oberer Wechsellagerung dagegen entzieht sich weitgehend dierekter Beobachtung, da er kaum aufgeschlossen ist. Vollständige Profile sind nur in Tiefbohrungen angetroffen worden. Die Oberen Dolomite schließlich bilden den Übergang zum Oberen Muschelkalk. Sie enthalten schon reichere Fossilvorkommen und die charakteristischen Hornsteinknollen.

Der Obere Muschelkalk (mo) beginnt mit der Fazies des Trochitenkalkes (mo1). Die Stielglieder (Trochiten) der Seelilie Encrinus liliiformes liefern den Hauptstoff für diesen biogenen Kalkstein - aber manchmal sieht es auch anders aus. Dann trifft man auf Muschel- und Brachiopoden-reiche Wulstkalke, wo Trochiten eher selten sind (Bad Sulza).

Auf den Trochitenkalk folgt die Fazies der Ceratitenschichten, eine in deutlich tieferem Wasser abgelagert Wechselfolge von weichen Mergeln und harten Kalkbänken. Die Ammonitengruppe der Ceratiten ist hier die auffälligste (und biostratigraphisch wichtigste) Makrofosssilgruppe. Die Cycloidesbank trennt die tieferen von den höheren Ceratitenschichten. Sie ist ein wichtiger Biomarker-Horizont. Den höchsten Teil der Ceratitenschichten, oberhalb der Glaukonitbank, nehmen harte, konkretionäre Kalke im Wechsel mit Mergeln ein ("Glasplatten"). Grenzschichten und Sandstein S1 kennzeichnen die Grenze zum Keuper.